Eine Analyse zu außerirdischem Leben
Ob es außer uns Menschen noch andere intelligente Lebensformen im Universum gibt, lässt sich derzeit nicht sicher sagen. Kaum ein anderes Thema wie die Suche nach intelligentem außerirdischem Leben regt unsere Fantasie so stark an – das zeigen unzählige Filme wie Star Wars oder Science-Fiction-Romane wie Untergang der Welten. Vielleicht gelingt es uns schon bald, ein Signal einer fernen Zivilisation zu empfangen. Bis dahin können wir nur Vermutungen anstellen und wissenschaftliche Modelle aufstellen, um dieser Frage näherzukommen.
Die Drake-Formel: Grundlage für die Suche nach außerirdischem Leben
1961 stellte Frank Drake auf einer astrophysikalischen Konferenz in Green Bank eine Formel vor, mit der sich die Anzahl kommunizierender extraterrestrischer intelligenter Zivilisationen (CETI) abschätzen lässt. Die Formel besteht aus sieben Faktoren, die jeweils eine Teilwahrscheinlichkeit beschreiben.
Der Nachteil der Drake-Formel ist jedoch, dass viele dieser Faktoren damals – und teilweise heute noch – unbekannt sind.
Dennoch gilt sie als wichtiger Ausgangspunkt in Diskussionen über das Fermi-Paradoxon, also die Frage, warum wir trotz hoher Wahrscheinlichkeit noch keinen Kontakt hatten.

Die Kepler-Mission: Neue Daten über Exoplaneten
Mit dem Weltraumteleskop Kepler konnten viele neue Erkenntnisse über Exoplaneten gewonnen werden. Besonders interessant für die Suche nach Leben sind Gesteinsplaneten in der bewohnbaren Zone, die erdähnliche Bedingungen bieten könnten.
Bis 2018 entdeckte Kepler rund 2800 erdähnliche Exoplaneten. Eine Forschungsarbeit schätzt sogar, dass es in der Milchstraße mehr als 300 Millionen solcher Planeten geben könnte
Das kopernikanische Prinzip: Wir sind nicht einzigartig
Ein wichtiges Grundprinzip vieler Überlegungen über außerirdisches Leben ist das kopernikanische Prinzip. Es besagt, dass die Erde keine besondere Stellung im Universum einnimmt, sondern durchschnittlich ist. Unser Planet ist 4,5 Milliarden Jahre alt, und ebenso lange dauerte es, bis wir Radiokommunikation entwickelten und zu einer CETI-Zivilisation wurden. Überträgt man dieses Prinzip auf andere erdähnliche Planeten, sollte sich dort ebenfalls nach 4,5 bis 5,5 Milliarden Jahren intelligentes Leben entwickeln können – sofern die astrophysikalischen Rahmenbedingungen stimmen.
Die neue CETI-Formel: Moderne Annäherung an die Frage „Sind wir allein?“
Zwei Astrophysiker der Universität Nottingham haben im Astrophysical Journal eine neue Formel veröffentlicht, mit der sich die Anzahl der CETI-Zivilisationen berechnen lässt. Sie kommt mit nur vier Faktoren aus, von denen drei mithilfe aktueller astrophysikalischer Daten bestimmt werden können.
Der vierte Faktor ist die Lebensdauer einer CETI-Zivilisation. Auch hier wird das kopernikanische Prinzip angewendet: Unsere eigene Zivilisation hat bislang mindestens 100 Jahre überlebt. Das scheint eine plausible Mindestannahme zu sein – auch wenn 100 Jahre sehr wenig erscheinen. CETI-Zivilisationen sind jedoch besonders gefährdet: Neben kosmischen Risiken wie Supernovae oder Asteroideneinschlägen besitzen sie durch ihre technische Entwicklung auch die Fähigkeit, sich selbst zu zerstören.

36 CETI-Zivilisationen – Eine mögliche Antwort auf das Fermi-Paradoxon
Wenn Leben auf einem Planeten innerhalb von 4,5 bis 5,5 Milliarden Jahren entsteht, liefert die neue CETI-Formel ein Ergebnis von etwa 36 Zivilisationen, die derzeit mithilfe von Radioteleskopen kommunizieren könnten.
Unter der Annahme, dass sie gleichmäßig in der Milchstraße verteilt sind, befände sich die nächste CETI-Zivilisation in einer Entfernung von etwa 17.000 Lichtjahren. Das ist enorm weit: Eine Zwei-Wege-Kommunikation würde 34.000 Jahre dauern. Diese Distanz erklärt, warum wir trotz potenziell zahlreicher Zivilisationen bisher keine direkten Hinweise im Rahmen von SETI‑Projekten entdecken konnten.
Ein Blick ins Universum
Mit heutigen technischen Möglichkeiten können wir rund 50 Millionen Galaxien beobachten. Es wird geschätzt, dass es im beobachtbaren Universum eine Billion Galaxien gibt.
Multipliziert man diese Zahl mit den 36 möglichen CETI-Zivilisationen pro Milchstraßen-ähnlicher Galaxie, ergeben sich mehrere Billionen potenzieller Zivilisationen.
Das deutet darauf hin, dass wir nicht allein sind – sondern von einer kaum vorstellbaren Fülle an Leben umgeben sein könnten.
Fazit
Der entscheidende Punkt dieser Überlegungen ist das kopernikanische Prinzip. Doch ist es gerechtfertigt, vom Einzelfall Erde auf das gesamte Universum zu schließen? Entsteht kommunizierendes Leben immer dann, wenn die Bedingungen stimmen und genügend Zeit vergeht? Oder gab es auf der Erde etwas Einzigartiges – einen „kosmischen Funken“? Oder sogar Gott?
Vielleicht sind wir tatsächlich allein.
Es könnte aber auch sein, dass die angenommene Lebensdauer von CETI-Zivilisationen von nur 100 Jahren viel zu gering angesetzt ist. Vielleicht lernen fortschrittliche Gesellschaften irgendwann, ihre Verantwortung wahrzunehmen und die Selbstzerstörung zu überwinden.
Dann könnte es viel mehr CETI-Zivilisationen geben – und vielleicht sind die nächsten Nachbarn gar nicht so weit entfernt. Eine endgültige Antwort werden wir erst dann haben, wenn wir ein zweifelsfreies Signal entdecken und unsere Suche nach außerirdischem Leben vollenden. Mit einem solchen ersten Kontakt würde ein neues Zeitalter beginnen – ein Zeitalter der Hoffnung, weil wir dann wüssten: Wir sind nicht allein im Universum.


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