Das Fermi-Paradoxon

Teleskop auf der Suche nach Antworten zum Fermi-Paradoxon.

Warum schweigt das Universum?

Das Fermi-Paradoxon stellt eine der faszinierendsten Fragen des Universums: Wenn außerirdisches Leben wahrscheinlich ist – wo sind dann alle? In unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, befinden sich mehr als 300 Milliarden Sterne. Eine Analyse der Daten des Kepler-Weltraumteleskops zeigt, dass mehr als 20 Prozent aller sonnenähnlichen Sterne über Planeten in der habitablen Zone verfügen. Dort könnte es Wasser in flüssiger Form geben, was eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung von Leben ist. Statistisch müsste das Universum voller Leben sein – und doch hören wir davon nichts.

Der Ursprung des Fermi-Paradoxons

Das sogenannte Fermi-Paradoxon geht auf den Physiker Enrico Fermi zurück, der während eines Mittagessens mit Kollegen, als das Gespräch auf Außerirdische kam, fragte: „Where is everybody?“ Diese Frage beschreibt den scheinbaren Widerspruch zwischen astronomischen Wahrscheinlichkeiten für die Existenz außerirdischen Lebens und dem beharrlichen Schweigen, das uns aus den Tiefen des Alls entgegenschlägt.

Enrico Fermi, Department of Energy-Office of Public Affairs, restored by Yann, Public domain, via Wikimedia Commons

Warum sehen wir keine Spuren?

Wenn das Universum voller Sterne und lebensfreundlicher Planeten ist, warum haben wir dann noch keine Spuren außerirdischer Zivilisationen entdeckt? Die riesige Anzahl der Sterne in der Milchstraße, die von unzähligen Welten in der bewohnbaren Zone umgeben sind, macht es wahrscheinlich, dass Leben woanders entstehen müsste. Selbst wenn Leben selten wäre, sollte es mehrere fortschrittliche Zivilisationen geben, die miteinander Kontakt aufnehmen könnten. Bislang gibt es aber keinen einzigen eindeutigen Beleg. Man würde erwarten, dass technologisch entwickelte Kulturen Spuren hinterlassen. Das könnten messbare Signale sein, die bewusst ausgesendet wurden oder beiläufig zustande kamen. Trotzdem haben wir bisher nichts gefunden.

Interstellare Reisen

Ein weiteres Argument für das Fermi-Paradoxon ist die Annahme, dass eine hochentwickelte galaktische Zivilisation – selbst mit langsamen interstellaren Reisen – innerhalb von wenigen Millionen Jahren große Bereiche der Milchstraße erkundet haben müsste. Im Vergleich zum Alter unserer Heimatgalaxie – Studien gehen von ungefähr 13 Milliarden Jahren aus – wäre das nur eine kurze Zeitspanne. Trotzdem finden wir keine schlüssigen Beweise, die auf einen Besuch von Außerirdischen hindeuten.

Ist das Fermi-Paradoxon wirklich paradox?

Unsere Erwartungen, dass es viele außerirdische Zivilisationen geben müsste, basieren auf Modellen, die sich auf sehr optimistische Annahmen stützen. Mit der Drake-Gleichung kann beispielsweise die Anzahl der kommunizierenden außerirdischen Zivilisationen abgeschätzt werden. Viele Parameter, die in diese Gleichung eingehen, sind aber extrem unsicher. Neuere Untersuchungen zeigen, dass es eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür gibt, dass wir allein in unserer Heimatgalaxie sind.

NASA, ESA, Public domain, via Wikimedia Commons

Leben wir in kosmischer Isolation?

Eine weitere wichtige Rolle könnte unsere Position im Universum spielen. Anders als in dem Science-Fiction-Roman Untergang der Welten, leben wir in einem Bereich des Universums, wo die Abstände zwischen den einzelnen Sonnensystemen sehr groß sind. Kosmologische Modelle deuten darauf hin, dass wir in einer Zone mit geringer Dichte leben, was die Entdeckung fremder Zivilisationen erheblich erschweren könnte.

Hochentwickelte Zivilisationen – eine Ausnahme?

Nicht alle außerirdischen Lebensformen werden die Hürde überwinden, die intelligentes Leben möglich macht. Wenn doch, dann werden sie vielleicht niemals die technologische Reife erreichen, die notwendig ist, um mit anderen Zivilisationen zu kommunizieren. Wir können auch erst seit 100 Jahren Radiosignale aus dem Weltall empfangen und wer weiß, wie lange wir überleben werden. Zivilisationen, die technisch in der Lage sind, Kontakt mit anderen herzustellen, sind leider stark gefährdet, da sie sich selbst zerstören können.

Können uns Signale überhaupt erreichen?

Radiowellen oder Laserimpulse breiten sich mit Lichtgeschwindigkeit aus. Eine Zwei-Wege-Kommunikation über eine Entfernung von 5000 Lichtjahren würde daher 10000 Jahre dauern. Damit wird jede interstellare Kommunikation zu einem zeitverzögerten, langwierigen Prozess. Damit zwei Zivilisationen gleichzeitig senden und empfangen können, müssten sie nicht nur existieren – sondern auch zur selben Zeit technologisch ähnlich weit entwickelt sein. Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass Signale aufgrund der Entfernung stark an Energie verlieren. Bereits nach wenigen tausend Lichtjahren ist ein Signal so abgeschwächt, dass es im Rauschen der Galaxie untergeht.

Was lehrt uns das Fermi-Paradoxon?

Das Fermi-Paradoxon lehrt uns viele wichtige Erkenntnisse über das Universum. Dass wir bislang keinen Kontakt hatten, führt uns zu einigen interessanten Schlussfolgerungen.

Wir stellen fest, dass die Lichtgeschwindigkeit eine fundamentale Grenze darstellt. Anders als in Star Trek fliegen keine Raumschiffe mit Überlichtgeschwindigkeit durch das Universum, denn wenn es so wäre, hätten wir bestimmt schon Besuch bekommen. Die Lichtgeschwindigkeit begrenzt auch, welche Informationen uns erreichen können. Wenn die Entfernung zu groß ist, dann wird uns ein Signal niemals erreichen. Wir müssen uns auch eingestehen, dass die Erde in einem besonderen Bereich mit großen Entfernungen zwischen den Sonnensystemen liegt, was die Kontaktaufnahme erschwert.

Zusammenfassend können wir festhalten, dass das Fermi-Paradoxon nicht paradox ist, sondern eine Folge fundamentaler Naturgesetze darstellt. Uns wird vielleicht der Kontakt mit anderen Zivilisationen – was in anderen Regionen des Universums eine Selbstverständlichkeit ist – vorenthalten bleiben. Dennoch könnte sich unser Blick auf das Universum jederzeit grundlegend verändern. Wer weiß, ob nicht doch noch eine Botschaft von einer fernen Welt die Erde erreichen wird? Vielleicht genießen wir gerade die Ruhe vor dem Sturm …

Wer tiefer in diese Fragen eintauchen möchte, findet in meinem Science-Fiction-Roman Untergang der Welten eine mögliche Vision einer anderen Welt.

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